Dr. Albert Käuflein ist zuständig für die Programmgestaltung des Roncalli-Forums. Nein, es handelt sich dabei nicht um den traditionsreichen Zirkus, der vor allem für seine legendäre Reihe herausragender Clowns bekannt ist. Das Roncalli-Forum ist eine katholische Einrichtung der Erwachsenenbildung in Karlsruhe des Bildungswerks der Erzdiözese Freiburg. Just zum Zeitpunkt, da viele Kindergarteneltern sich Gedanken darüber machen, welche Schulform sie für ihr Sprösschen wählen sollen, hat Dr. theol. Käuflein als Experten Michael Grandt in sein Haus eingeladen, der dort darbieten darf, was er durch seine Internetrecherchen über die Waldorfpädagogik gar schröckliches herausgefunden haben will. Am 4. Februar soll die Marke Waldorf tüchtig abgeklopft werden. Nicht um die pädagogische Qualität geht es hierbei. Von "esoterisch-okkulten Weltanschauungsinstituten" ist die Rede in der Beschreibung der Veranstaltung. Von ihrer Vereinbarkeit mit der "Werteordnung unseres Grundgesetzes" gar.
Lange Rede kurzer Sinn: Wäre Dr. Käuflein an einer objektiv bildenden Informationsveranstaltung über Waldorfschulen gelegen, hätte er nach all dem Rummel um Michael Grandts "Schwarzbuch Waldorf", über dessen Qualität man wirklich kein Wort mehr verlieren braucht, und dessen Verbreitung vom Landgericht Stuttgart mit Urteil vom 28.10.2008 aufgrund falscher Tatsachenbehauptungen untersagt wurde, sicher nicht den Enthüllungsjournalisten als Redner eingeladen. Intention dieser Veranstaltung kann demnach nur sein, billigste Meinungsmache gegen Waldorf zu multiplizieren um damit Eltern samt deren soziales und familiäres Umfeld im Vorfeld der Schulentscheidung zu verunsichern.
Die Nachsichten wundern sich bisweilen auch über die seltsamen Allianzen und die erstaunlichen Verrenkungen, die einzelne öffentliche Vertreter der katholischen Kirche - der Kulturjournalist Kissler ist auch so ein Beispiel - eingehen, um das Ansehen der Anthroposophie und ihres Erfolgsmodells Waldorfschulen zu beschädigen. Gerade von promovierten Vertretern des Katholizismus sollte man eine gewisse Sensibilität erwarten, wenn es um Sensationsjournalisten geht. Die angeblich schmutzige Wäsche des Vatikans ist ja bekanntlich auch ein sehr beliebtes Thema solcher Griffelspitzer. Deshalb sollte ein Veranstalter - will er sich nicht dem Vorwurf absichtlicher Diffamierung aussetzen - immer diejenigen, die er als Experten für seine Bildungsveranstaltungen einlädt, auf Seriosität und Kompatibilität prüfen.
Die konfessionellen Schulen - und das ist aus unserer Sicht dann auch völlig konsequent - kommen bei Grandt nicht viel besser weg als die Waldorfschulen. Er sagt es ganz offen:
"Ich bin gegen die Finanzierung jeglicher Art von Weltanschauungsschulen, das gilt auch für die sogenannten Konfessionsschulen."
Für die Nachsichten jedoch sind diese unterschiedlichen Schultypen, Konfessions- und Waldorfschule, ein Ausdruck unserer pluralistisch verfassten Gesellschaft. Es hat einen positiven Effekt, dass Schulmodelle mit unterschiedlichen pädagogischen Profilen miteinander konkurrieren. So entsteht Vielfalt und einer Monopolisierung wird entgegengewirkt. Anstatt eines Gegeneinanders ist jedoch ein Miteinander und Nebeneinander gefragt.
Ein Agieren im Stile Dr. Albert Käufleins - besonders als ordentliches Mitglied des Schulbeirats der Stadt Karlsruhe - hingegen ist eigentlich nur eines: kontraproduktiv. Und hier sollte sich die katholische Kirche ganz ernsthaft fragen, ob das tatsächlich in ihrem Sinne sein kann.
--> Update-Info vom 14. Januar: Es gibt Neuigkeiten zu der Veranstaltung mit Michael Grandt im Roncalli Forum: Sie fällt aus.