Eine Ärgerluft zum Thema "Schwarzbuch Waldorf"
Nachtrag vom 30.10.08 - siehe unten.
Stellen wir uns vor, wir betrieben eine PR-Agentur und stünden vor folgender Aufgabe: Ein untalentierter Autor hat ein, um es freundlich zu formulieren, sehr schlecht recherchiertes Buch geschrieben, in dem er genau im proportionalen Verhältnis zu den aufsteigenden Seitenzahlen vor allem drei Dinge demonstriert: Er hat keinerlei Ahnung von seinem Thema, sein geistiger Aktionsradius gleicht dem geographischen einer Legebatteriehenne und er kann kein Deutsch.
Wir sollen nun verkaufsfördernd tätig werden, was bedeutet öffentliches Interesse an einem grauenhaften Buch zu wecken und aus einem zu Recht völlig unbekannten Schreibtätigen einen Sympathieträger in Sachen freies Wort zu machen. Das geht nur, wenn es gelingt von sämtlichen den Leser förmlich anspringenden Unzulänglichkeiten abzulenken. Kurz: Wir sollen aus Stroh Gold spinnen, eine Kröte zum Prinzen küren, Pechmarie dem König von Thule vermählen.
Was wie ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen wirkt, vor dessen Umsetzung selbst die hartgesottensten Werber zurückschrecken würden, ist dem Bund der Freien Waldorfschulen eine Herausforderung, die er gerne annimmt – und das auch noch ohne jeden Auftrag: selbstlos, freiwillig und mit jenem eigeninitiativen Elan, der das Unmögliche möglich macht. Und er hat Erfolg! Er hat, verdammt nochmal, wirklich richtigen Erfolg.
Wie das geht? Nun – es ist im Grunde ganz simpel; nur würde niemand sonst auf eine derartig bescheuerte Idee kommen. Und wenn doch, so wäre zumindest niemand anderes willens und in der Lage einem durchgegangenen Pferd auch noch die Sporen zu geben. Das kann man nur, wenn man das echte Abenteuer eines Walkürenrittes durch die nicht enden wollende Prärie liebt und in der Wagenburgstraße (sic!) in Stuttgart zu Hause ist.
Das Erfolgsrezept besteht aus nur zwei Zutaten: Juristerei und sendungsbewusste Unprofessionalität, die im steten Wechsel in eine blecherne Suppenschüssel gekippt und dort kräftig miteinander verrührt werden. Heraus kommt veritabler Mist. Und der stinkt zum Himmel.
Es ist eine Sache, eine einstweilige Verfügung gegen ein Buch zu erwirken, das sich selbst erledigen würde, wenn man es in Ruhe seinen Weg auf dem Markt finden ließe. Über diese Sache kann man streiten. Man kann sie überflüssig und absurd finden – aber man kann immerhin noch darüber streiten, denn es gibt wenigstens ein paar nachvollziehbare Argumente für die juristische Aktion, die man nicht teilen muss, um sie zu verstehen.
Worüber man nicht mehr streiten kann, ist der Umstand, dass der Bund der Freien Waldorfschulen inzwischen frei erfundene Pressemitteilungen in die Welt sendet, die kaum noch Kontakt mit der Wirklichkeit haben. Und die Krönung ist, dass man die Korrektur der waldörflichen Falschbehauptungen ausschließlich und ausgerechnet auf der Website des untalentierten Autors findet; der Waldorfbund selbst hüllt sich in Schweigen, nachdem er sein schönes Märchen notgedrungen wieder vom Server genommen hat.
Die geistige Welt ist not amused und erklärt hiermit, dass sie in Zukunft nie wieder irgendetwas glauben wird, was vom Bund der Freien Waldorfschulen offiziell verlautbart wird. Sie distanziert sich ausdrücklich von dieser Schmierenkomödie und bittet – mitgefangen, mitgehangen – die Öffentlichkeit um Entschuldigung für das absurde Treiben in der Wagenburg. Straße.
Nachtrag vom 30.10.08:
info3-Redakteur Felix Hau schreibt heute Morgen auf der RSL:
Irgendwann heute wird es sicherlich wieder von irgendwoher eine Pressemitteilung hageln. Da ich inzwischen den Pressemitteilungen in dieser Angelegenheit weder von der einen noch von der anderen Seite mehr traue, hier die heutige Meldung des Provinzblättchens aus Grandts Wahlkreis.
Eigentlich müsste man jetzt selbst recherchieren - ich glaube nicht, dass irgendjemand noch versteht, was die da treiben und was das Gericht mit welcher Konsequenz jeweils verkündet, verfügt, andenkt, überlegt usw. -, aber ich habe dazu überhaupt keine Lust.
Die geistige Welt schließt sich der Unlust an.